Koliken bei Babys: Wann sie auftreten, woher sie kommen und was Eltern tun können
- 21. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Juli

Liebe Eltern, in diesem Artikel geht es um ein Thema, dass viele Eltern mit einem Neugeborenen betrifft: die sogennanten Dreimonatskoliken. Der Begriff ist schon lange im Sprachgebrauch, ist aus heutiger Sicht aber etwas irreführend. Denn er erweckt den Eindruck, dass das Baby eindeutig unter krampfartigen Bauchschmerzen leidet. Und tatsächlich sieht es von außen betrachtet ja oft auch so aus. Das Baby schreit heftig, die Beinchen sind angezogen und die Hände zu kleinen Fäusten geballt.
Heute geht man allerdings eher davon aus, dass starkes Schreien in den ersten Monaten verschiedene Ursachen haben kann und nicht grundsätzlich auf ein Problem des Magen-Darm-Trakts zurückzuführen ist. Ich in meiner Praxis beobachte es oft und auch andere Fachleute sprechen heute eher von einer Regulationsstörung.
Wann treten Koliken bei Babys auf?
Typischerweise beginnt es in den ersten Lebenswochen. Bei vielen Babys nimmt das Schreien zunächst zu und erreicht ungefähr um die sechste Lebenswoche seinen Höhepunkt. Danach wird es normalerweise schrittweise weniger. Die meisten Eltern sind in dieser Zeit sehr beansprucht, da sie in Sorge um das Kind sind und selbst zu wenig zur Ruhe kommen können. Aber die sogenannten Dreimonatskoliken bessern sich bei den meisten Kindern bis zum Ende des dritten oder vierten Lebensmonats deutlich.
Oft treten die Schreiphasen am späten Nachmittag oder am Abend auf. Das Baby wirkt zwischen diesen Phasen meist gesund, trinkt normal und entwickelt sich altersgerecht. Während einer solchen Episode kann es jedoch sehr angespannt erscheinen.
Das Baby schreit plötzlich und ausdauernd.
Es lässt sich nur schwer beruhigen.
Das Gesicht läuft rot an.
Die Hände werden zu Fäusten geballt.
Die Beinchen werden angezogen oder ausgestreckt.
Der Bauch kann angespannt oder aufgebläht wirken.
Häufig gehen während oder nach dem Schreien Winde ab.

Warum bekommen Babys Koliken?
Erst einmal sind Koliken bei Babys nichts ungewöhnliches. Die genaue Ursache lässt sich oft nicht eindeutig bestimmen. Manchmal kommem wohl mehrere Ursachen zusammen.
Das Baby muss seine Selbstregulation erst entwickeln
Wie gesagt, kann das Schreien andere Ursachen haben, als Bauchweh. Neugeborene können sich noch nicht selbstständig beruhigen. Sie müssen erst lernen, Müdigkeit, Hunger, Aufregung und die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Manche Babys reagieren besonders empfindlich auf Licht, Geräusche, Berührungen oder wechselnde Situationen. Sie werden schneller müde und finden gleichzeitig nur schwer in den Schlaf. Wenn das Baby überreizt oder übermüdet ist, kann eine längere Schreiphase entstehen. Deshalb wird das früher immer als Dreimonatskolik bezeichnete Verhalten heute oft als Schwierigkeit bei der Regulation verstanden.
Die Verdauung ist noch unreif
In den ersten Monaten muss sich auch das Verdauungssystem des Babys an seine neue Aufgabe gewöhnen. Der Darm arbeitet noch nicht so gleichmäßig wie bei älteren Kindern, und die Darmflora entwickelt sich erst. Dadurch können Blähungen und ein unangenehmes Druckgefühl entstehen. Verdauungsbeschwerden sind also möglich, erklären aber nicht immer jede längere Schreiphase.
Beim Trinken und Schreien wird Luft geschluckt
Babys können beim Stillen, beim Trinken aus der Flasche und besonders während des Schreiens Luft schlucken. Diese Luft sammelt sich im Magen oder Darm und kann das Unwohlsein verstärken. Dabei ist nicht immer klar, was zuerst da war: Manchmal schreit das Baby, weil der Bauch drückt. Häufig gelangt aber auch erst durch das intensive Schreien mehr Luft in den Bauch. Blähungen können daher sowohl Auslöser als auch Folge einer Schreiphase sein.
Seltener steckt etwas anderes dahinter
Gelegentlich können Schwierigkeiten beim Anlegen, sehr hastiges Trinken, Reflux, eine Unverträglichkeit oder eine Erkrankung Beschwerden verursachen. Deshalb ist es sinnvoll, anhaltendes oder ungewöhnlich starkes Schreien kinderärztlich abklären zu lassen – besonders dann, wenn das Baby schlecht trinkt, nicht ausreichend zunimmt oder weitere Symptome zeigt.
Was können Eltern bei Koliken tun?
Es gibt leider keine Methode, die jedes Baby zuverlässig beruhigt. Oft müssen Eltern in Ruhe ausprobieren, was ihrem Kind guttut. Dabei hilft es, nicht ständig zwischen vielen Maßnahmen zu wechseln. Zu viele neue Reize können ein bereits unruhiges Baby zusätzlich überfordern.
Grundbedürfnisse überprüfen
Es klingt einfach, aber oft wird beum Forschen nach Ursachen, das einfachste übersehen. Daher lege ich Eltern ach oft nahe, die Grundbedürfnissse des Baby zu überprüfen, ob ihr Baby:
- hungrig ist,
- eine frische Windel benötigt,
- müde oder überreizt ist,
- zu warm oder zu kalt angezogen ist,
- nach dem Trinken aufstoßen muss,
- Nähe und Körperkontakt sucht
Das klingt selbstverständlich, ist während einer langen Schreiphase aber nicht immer leicht einzuschätzen.
Beim Füttern auf eine ruhige Haltung achten
Beim Stillen oder Füttern sollte das Baby möglichst ruhig und passend positioniert sein. Eine gute Stillposition beziehungsweise ein korrektes Erfassen der Brust kann verhindern, dass unnötig viel Luft geschluckt wird. Bei der Flasche sollte der Sauger stets mit Milch gefüllt sein.
Den meisten Babys hilft es, während und nach der Mahlzeit ein Bäuerchen zu machen. Daher ist es gut, das Kind nach dem Füttern eine Weile aufrecht auf dem Arm zu tragen, es ein wenig zu schuckeln und auch mal sanft auf den Rücken zu klopfen. werden. Abrupte Positionswechsel sollten dagegen unmittelbar nach einer Mahlzeit vermieden werden.
Reize reduzieren
Ein gedämpfter Raum, eine ruhige Stimme und gleichmäßige Bewegungen können dem Baby helfen, sich zu regulieren. Oft sind einfache, wiederkehrende Abläufe besser als ständig neue Beruhigungsversuche. Nicht jedes Baby mag jede Methode. Entscheidend ist, die Reaktion des Kindes zu beobachten und nichts zu erzwingen.
Den Bauch vorsichtig entspannen
Wenn der Bauch angespannt wirkt, können sanfte Maßnahmen angenehm sein. Dazu gehören eine vorsichtige Bauchmassage im Uhrzeigersinn oder langsame Fahrradbewegungen mit den Beinchen. Der Bauch sollte dabei niemals kräftig gedrückt werden. Auch Wärme kann entspannen. Ein Wärmekissen muss jedoch nur handwarm sein und darf nicht direkt auf die empfindliche Haut gelegt werden. Das Baby sollte damit niemals unbeaufsichtigt bleiben.
Was kann die Osteopathie bei Baby Koliken tun?
Zu mir kommen sehr viele Eltern mit dem Thema Dreimonatskoliken in die Praxis. Ich als Kinderosteopathin betrachte nicht nur den Bauch, sondern auch die Körperhaltung, die Beweglichkeit, das Trinkverhalten und mögliche Spannungen, die etwa nach der Geburt entstanden sein können. Mit besonders sanften Griffen versuche ich Ihr Baby dann dabei zu unterstützen, sich zu entspannen. Eltern berichten anschließend oft von ruhigeren Schreiphasen, einer entspannteren Verdauung oder einem besseren Schlaf.
Koliken sind anstrengend – aber meistens vorübergehend
Auch wenn die Abende im Moment lang erscheinen: Bei den meisten Babys lassen die Schreiphasen innerhalb der ersten drei bis vier Monate nach. Eltern können diese Entwicklung nicht immer beschleunigen. Sie können ihrem Kind aber dabei helfen, mit Nähe, Ruhe und wiederkehrenden Abläufen zunehmend besser zur Ruhe zu finden.
Man muss nicht bei jedem Schreien sofort die eine richtige Lösung haben. Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben, mögliche Beschwerden abklären zu lassen und sich selbst Unterstützung zu holen, wenn die Belastung zu groß wird.
Ihre
Gina Muresan



Kommentare