Schreibabys: Wenn ein Baby nicht aufhört zu weinen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Liebe Eltern, ich wage mich in diesem Artikel an ein Thema, das für viele betroffene Eltern mit einer großen Verzweiflung einhergeht. Ich erlebe das häufig in meiner Praxis in Köln. Es geht um Liebe, aber auch um absolute Erschöpfung und das Gefühl nicht genug oder nicht gut genug zu sein. Liebe Eltern von sogenannten Schreibabys, lasst euch sagen: Ihr seid bei weitem nicht alleine.
Es gibt ja dieses oft verklärte Bild vom Leben mit einem Baby, das wir aus der Werbung kennen: ein friedlich schlafendes Kind, eingekuschelt in eine weiche Decke, während die Eltern müde, aber glücklich daneben sitzen. Ein leises Seufzen, ein zärtlicher Blick, das perfekte junge Glück.
Und dann gibt es die Wirklichkeit mancher Familien. Ein Baby, das weint. Stundenlang. Am Morgen, am Nachmittag, am Abend, manchmal bis tief in die Nacht. Es wird getragen, gestillt und gefüttert, gewickelt und sanft hin und her gewiegt. Die Eltern laufen durch die Wohnung, summen Lieder, schaukeln auf einem Gymnastikball und fahren mit dem Kinderwagen nachts durch dunkle Straßen. Doch das Weinen hört nicht auf.
Schreibaby: ein unglücklicher Begriff
Babys, die besonders viel, lange und scheinbar untröstlich weinen, werden häufig als „Schreibabys“ bezeichnet. Dieser unglückliche Begriff wird den betroffenen Babys aber nicht gerecht. Es steckt dahinter nämlich kein „schwieriges“ Kind, sondern ein Säugling, der sich nur schwer beruhigen kann — häufig verbunden mit einer noch unreifen Regulation, hoher Anspannung oder Belastungen rund um Geburt und Anpassung.
Es soll hier aber nicht nur um das Schreien gehen, sondern auch um das, was das mit den betroffenen Eltern macht. Bei denen herrscht nämlich andauernder Ausnahmezustand. Es gibt das Gefühl von Hilflosigkeit und Erschöpfung. Und es frisst sich ganz allmählich etwas ins Bewusstsein: die stille Angst, als Mutter oder Vater etwas falsch zu machen. Es geht mir hier auch darum, euch dieses Gefühl zu nehmen.

„Warum kann ich mein Kind nicht beruhigen?“
Diese Frage stellen sich viele Eltern eines Schreibabys. Oft immer wieder.
Sie sehen andere Babys, die im Arm ihrer Eltern einschlafen, und fragen sich: "Warum nur funktioniert das bei mir nicht?" Sie hören gut gemeinte Ratschläge und zweifeln noch mehr: Vielleicht trage ich es falsch. Vielleicht bin ich zu angespannt. Vielleicht spürt mein Baby meine Unsicherheit. Vielleicht fehlt ihm etwas, das ich ihm nicht geben kann.
Doch ein Baby, das viel weint, ist kein Zeichen dafür, dass Eltern versagt haben.
Manche Babys kommen besonders empfindsam auf die Welt. Sie nehmen Geräusche, Licht, Berührungen und Stimmungen sehr intensiv wahr. Übergänge fallen ihnen schwer. Sie finden nur langsam in den Schlaf und können sich noch nicht gut selbst regulieren. Alles ist neu, groß und überwältigend. Das Weinen ist ihre Sprache. Es bedeutet nicht: „Du machst es falsch.“ Manchmal bedeutet es einfach: „Die Welt ist gerade zu viel für mich. Bitte bleib bei mir.“
Und genau das tun Eltern. Sie bleiben. Auch wenn die Kraft nachlässt. Auch wenn ihre Arme schmerzen. Auch wenn sie weinen, während sie ihr weinendes Baby halten. Das ist keine Schwäche. Das ist Liebe in ihrer erschöpftesten Form.
Wenn die Tage nur noch aus Beruhigen bestehen
Mit einem Schreibaby verändert sich das Zeitgefühl. Ein Nachmittag kann sich endlos anfühlen. Die Uhr wird zum ständigen Begleiter: Wie lange schreit das Baby schon? Wann hat es zuletzt geschlafen? Wann habe ich selbst zuletzt etwas gegessen? Viele Eltern ziehen sich zurück. Ein Besuch im Café wirkt unmöglich. Spaziergänge sind mit der Angst verbunden, dass das Baby wieder zu weinen beginnt. Familienfeiern werden abgesagt, Nachrichten bleiben unbeantwortet und selbst ein kurzes Telefonat kann zu viel sein.
Dazu kommt der Schlafmangel. Er nimmt nicht nur Energie, sondern verändert auch Gedanken und Gefühle. Kleinigkeiten werden riesig. Geduld wird weniger. Partner geraten aneinander, obwohl beide eigentlich nur überfordert sind.
Manche Eltern erschrecken über ihre eigenen Gedanken. Sie wünschen sich für einen Moment Stille. Abstand. Eine geschlossene Tür. Vielleicht denken sie sogar: Ich kann nicht mehr.
Auch solche Gedanken machen niemanden zu einem schlechten Menschen.
Sie sind ein Warnsignal dafür, wie groß die Belastung geworden ist. Und sie zeigen, dass Unterstützung gebraucht wird – nicht irgendwann, sondern jetzt.
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche
Hilfe zu suchen bedeutet nicht, dass Eltern es allein nicht geschafft haben. Es bedeutet, dass sie ihr Kind und sich selbst ernst nehmen. Eltern eines Schreibabys brauchen keine Bewertungen. Sie brauchen Menschen, die zuhören und mit anpacken. Das können im Privaten Freunde sein, oder Familienmitglieder. Betroffene können aber auch professionelle Hilfe hinzuziehen. Kinderärzte können abklären, ob Erkrankungen oder körperliche Beschwerden hinter dem Weinen stehen. Hebammen und spezielle Schreiambulanzen helfen dabei, die Signale des Babys besser zu verstehen und gemeinsam neue Wege für besonders belastende Situationen zu finden. Und auch ich als Kinderosteopathin kann unterstützen, die Situation zu verbessern.
In arbeite jetzt seit 15 Jahren als Kinder- und Säuglingsosteopathin. In dieser Zeit habe ich viele sogenannte Schreikinder begleitet und habe Eltern in absoluter Verzweiflung erlebt. In diesen Situationen nehme ich mir als Osteopathin viel Zeit, um Ihr Baby mit großer Ruhe und Aufmerksamkeit in seiner gesamten Körperspannung, Beweglichkeit und Regulation wahrzunehmen. Mein Ziel ist es, Ihrem Kind aber auch Ihnen als Eltern Entlastung zu geben in einer oft sehr kräftezehrenden und emotional fordernden Phase.
An alle Eltern eines Schreibabys
Ihr müsst diese Zeit nicht schönreden. Ihr dürft sagen, dass sie schwer ist. Ihr dürft trauern um die erste Babyzeit, die ihr euch anders vorgestellt habt. Ihr dürft neidisch auf Familien sein, bei denen alles leichter aussieht.
Vielleicht zeigt sich eure Liebe gerade nicht in perfekten Familienfotos oder entspannten Nachmittagen. Vielleicht zeigt sie sich in zerknitterter Kleidung, kaltem Kaffee und müden Augen. Ihr seid nicht perfekt und müsst es auch nicht sein. Aber ihr seid da und haltet die Stellung in einer absolut schwierigen Zeit.
Manchmal ist genau das genug.
Ihre
Gina Muresan




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